Vier Anbietertypen, sechs Warnsignale und der harte Prüfstein Paragraf 305 InsO. Was seriöse Schuldnerberatung ausmacht und wie Sie sie erkennen.
Zwölf Monate lang 180 Euro gezahlt. Bei den Gläubigern kam kein Cent an. So schildert ein Nutzer im Schuldnerforum seinen Weg zu einem gewerblichen Anbieter.
Wer aus den Schulden heraus will, trifft auf einen Markt ohne Türsteher. Jeder darf sich Schuldnerberater nennen. Der Begriff ist nicht geschützt. Und das ist der Kern des Problems.
Sie erkennen eine seriöse Schuldnerberatung an vier Merkmalen. Die Stelle ist gemeinnützig, staatlich anerkannt oder anwaltlich geführt. Sie verlangt keine Vorkasse. Und sie darf die Bescheinigung nach Paragraf 305 InsO ausstellen. Wie Sie das prüfen, zeigt dieser Ratgeber.
Die Zahlen sind eindeutig. Laut SchuldnerAtlas 2025 von Creditreform gelten 5,67 Millionen Menschen in Deutschland als überschuldet. Die Quote liegt bei 8,16 Prozent. Gegenüber 2024 kamen 111.000 Fälle dazu. Das ist der erste klare Anstieg seit 2018. In 69 Prozent der Kreise und Städte stiegen die Quoten, doppelt so oft wie im Vorjahr.
Hier ist der Punkt. Der Gesetzgeber wollte den Markt ordnen. Beratung sollte kostenlos werden, schwarze Schafe sollten raus. Der Bundestag beschloss das Gesetz am 14. November 2025. Der Bundesrat verweigerte am 8. Mai 2026 die Zustimmung.
Fünf Tage später rief die Bundesregierung den Vermittlungsausschuss an. Ein Termin steht bis heute aus. Stand August 2026 gilt das Gesetz also nicht. Genau in dieser Lücke arbeiten unseriöse Schuldenregulierer. Wer sich schützen will, muss die Warnsignale bei Schuldenberatung selbst kennen.
Nicht überall, wo Beratung draufsteht, ist seriöse Schuldnerberatung drin. Vier Gruppen lassen sich klar trennen.
Dazu zählen Caritas, Diakonie, AWO, die Verbraucherzentralen und die Stellen der Städte. Für Sie ist das meist kostenlos, weil der Staat zahlt. Für die meisten Menschen ist das der richtige erste Weg. Ein Nachteil bleibt: Sie müssen oft Monate auf einen Termin warten.
Welche Stellen als geeignet gelten, legt jedes Bundesland selbst fest. Manche arbeiten über Spenden, andere mit gestaffelten Beiträgen.
Sie dürfen die Bescheinigung ebenfalls ausstellen. Sie rechnen aber nach ihrer Gebührenordnung ab.
Hier sitzen die Fälle, um die es gleich geht.
Sie wollen Privatinsolvenz anmelden? Dann brauchen Sie eine Bescheinigung. Sie belegt, dass die Einigung mit den Gläubigern gescheitert ist. Ohne dieses Papier startet kein Verfahren.
Ausstellen darf sie nicht jeder. Erlaubt sind Anwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer sowie Stellen, die das Bundesland anerkannt hat. Vorher muss ein echtes Gespräch stattfinden. Dazu kommt eine genaue Prüfung dessen, was Sie verdienen und besitzen.
Was bedeutet das konkret? Landen Sie bei einem Anbieter ohne diese Erlaubnis, kommen Sie am Ende nicht ins Verfahren. Zeit weg, Geld weg. Fragen Sie deshalb schon vor dem ersten Termin danach. Lautet die Antwort Nein, ist es keine anerkannte Schuldnerberatungsstelle im Sinne des Insolvenzrechts.
Aus der Beratungspraxis sehen wir immer dieselben Muster. Schon im Oktober 2024 hat unser Verein davor gewarnt. In den Verträgen steht das Wort Finanzsanierung oft nur im Kleingedruckten. Die Vergütung auch. Achten Sie auf diese sechs Warnsignale bei Schuldenberatung.
In Schuldnerforen wie schuldner-community.de schildern Betroffene das typische Dilemma. Ein Nutzer zahlte über zwei Jahre mehr als 7.000 Euro an einen gewerblichen Anbieter. Zurück kamen 3.000 bis 4.000 Euro. Bei den kostenfreien Stellen hieß es, er müsse bis zu ein Jahr warten. Genau in dieser Lücke wird kassiert.
Rechtlich stehen Sie nicht schutzlos da. Seit dem 1. Januar 2025 führt das Bundesamt für Justiz die Aufsicht zentral. Wer ohne Erlaubnis Rechtsdienste anbietet, riskiert ein Bußgeld nach Paragraf 20 RDG.
Fehlt die Erlaubnis, ist der Vertrag nach Paragraf 134 BGB nichtig. Gezahlte Gebühren können Sie dann nach Paragraf 812 BGB zurückfordern. Ob das im Einzelfall greift, muss ein Jurist prüfen. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt eine Prüfung im Einzelfall nicht.
Vier Schritte, die Sie vor dem ersten Termin gehen können:
Ein Hinweis aus der Praxis: Seriöse Stellen nennen ihre Wartezeit offen, auch wenn sie lang ist. Wer Ihnen dagegen schon für morgen einen Termin verspricht, verkauft meist etwas anderes als Beratung. Auch das ist ein Signal.
Das Statistische Bundesamt bietet unter schuldnerberatungsatlas.destatis.de eine Karte zur Standortsuche. Sie hilft bei der Orientierung. Ein amtliches Verzeichnis der anerkannten Stellen ist sie nicht. Die Anerkennung läuft über die Länder.
| Anbietertyp | Kosten für Betroffene | Darf die Bescheinigung ausstellen |
|---|---|---|
| Gemeinnützige Stelle, öffentlich gefördert | In der Regel kostenlos | Ja, wenn vom Land anerkannt |
| Stelle mit Anerkennung nach Paragraf 305 InsO | Spenden oder gestaffelte Beiträge | Ja |
| Anwalt oder Steuerberater | Nach Gebührenordnung | Ja |
| Gewerblicher Schuldenregulierer | Oft Vorkasse plus monatliche Gebühren | Nein |
Seriöse Schuldnerberatung ist gemeinnützig, staatlich anerkannt oder anwaltlich geführt. Sie darf die Bescheinigung nach Paragraf 305 InsO ausstellen, nimmt keine Vorkasse und lässt Ihnen Bedenkzeit.
Nein. Der Begriff ist in Deutschland nicht geschützt. Jeder darf sich so nennen. Deshalb zählt die Anerkennung nach Paragraf 305 InsO als Prüfstein.
Prüfen Sie, ob der Anbieter eine Erlaubnis nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz hat. Fehlt sie, kann der Vertrag nichtig sein. Lassen Sie das anwaltlich klären.
Laut Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung sind mehrere Monate vielerorts der Regelfall. Aus Ballungsräumen berichten Betroffene sogar von bis zu einem Jahr.
Für die meisten Menschen führt der Weg zuerst über die Stellen vor Ort: Caritas, Diakonie, AWO, die Verbraucherzentrale oder die Stadt. Sind die Wartezeiten zu lang, suchen Sie eine anerkannte Schuldnerberatungsstelle in Ihrer Nähe.
Registerhilfe selbst ist ein technischer Register-Service und bietet keine Schuldenberatung an. Diese führt der Trägerverein getrennt davon unter schuldnerberatung-bayern.com.
Bei Fragen zu diesem Beitrag: kontakt@registerhilfe.de oder telefonisch unter 08131 93298.
Der Verein für Existenzsicherung e.V. besteht seit 1986. Er ist beim Amtsgericht München unter VR 20279 eingetragen. Die juristische Leitung hat Rechtsanwalt Tobias Neumeier, eine nach Paragraf 305 InsO zugelassene Person. Nach eigenen Angaben wurden dort über 5.000 Entschuldungen begleitet.
Genau deshalb hat der Verein 2024 öffentlich vor gewerblichen Schuldenregulierern gewarnt. Wer täglich sieht, was solche Verträge anrichten, schweigt dazu nicht.